Corona und das Content-Schüttel-Syndrom

Alle Welt ist im Schüttelfieber. Fieberhaft schütteln Groß und Klein, Alt und Jung, Kommunikations-Experten und solche, die sich dafür halten, Content aus sich heraus und streuen ihn wortgewaltig über die Social Networks in die weite wissensdurstige Welt. Selbst Marketing-Verantwortliche in den Unternehmen geraten zunehmend in Panik, denn sie wollen bei diesem Wort- und Bildgewitter auf keinen Fall zu kurz kommen. Was viele dabei aus den Augen verlieren sind zwei uralte Kommunikationsregeln: Masse ist nicht gleich Klasse. Und: Schuster bleib bei deinem Leisten.

 

Schuster bleib bei deinem Leisten – oder was ist das Salz in meiner Suppe?

Stellen Sie sich vor, die Große-Blonde-Die-Next-Top-Models-Über-Den-Laufsteg-Hetzt postet wie wild über die Axiome von Kolmogorow. Würden Sie ihr abnehmen, dass sie weiß, wovon sie spricht? Was aber, wenn sie zu Mode und Diät postet? Stellen Sie sich vor, eine Werbeagentur macht ein Video mit Tipps, wie man beim Arbeitsamt das Kurzarbeitergeld beantragt. Würden Sie ihr das abnehmen? Was aber, wenn sie ein Video macht, in dem sie Tipps gibt, was Unternehmen jetzt in puncto Werbung machen können. Ja, Sie sehen schon, wohin ich lotse: es geht um Authentizität.

 

Authentizität ist das Salz in der Suppe des Storytelling.

Jeder Mensch hat etwas, über das er viel erzählen kann. Eben weil er sich für dieses Thema begeistert, weil er Erfahrungen damit gemacht hat, weil er sich beruflich oder privat damit beschäftigt. Egal ob es sich dabei ums Backen von Kuchen oder Konstruieren von Großfilteranlagen handelt. Das sind die Themen, über die dieser Mensch dann auch sprechen sollte. Und schwuppdiwupp wird aus einem nur oberflächlich dahingeschüttelten Post, Blog oder Video ein Post, Blog oder Video mit Herzblut als echten Mehrwert.

 

Masse ist nicht gleich Klasse – oder der Informations-Overload ist nah.

Aber erreicht dieser Mensch damit auch die Massen? Die vielleicht nicht. Dafür aber Menschen mit den gleichen Interessen. Und mal Hand aufs Herz: Wie viel hirnlosen Input verträgt das menschliche Gehirn wirklich? In Zeiten der Kontaktlosigkeit scheint sich ein Vakuum aufgetan zu haben, das mit Content gefüllt werden muss – ob dahingeschüttelt oder nicht.

Doch immer mehr Menschen stellen fest, dass ihnen dieser Informations-Overload das Hirn aufweicht. Und sie machen sich auf die Suche nach Storys, die sie wirklich betreffen, berühren und aus einer Quelle stammen, der sie diese Story auch abnehmen. Man könnte es als eine Art natürliche Selektion des Contents bezeichnen. Eine Selektion, in der Klasse über Masse siegt. Wenn Sie jetzt mit authentischen Storys draußen sind, werden Sie gehört, gesehen und beachtet. Und was will ein echter Storyteller mehr? … ja, vielleicht noch ein ehrliches und authentisches Feedback.

Darauf freue auch ich mich. :-) wyynot.

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